Mir fällt hier kein passender Titel ein…

16. Juli 2007 at 12:09 am (Hauptblog)

Samstag musste ich früh aufstehen, denn meine Mutter, mein Bruder und ich sind nach Kiel gefahren. Gegen viertel vor 10 kauften sie und ich noch schnell ein paar belegte Brötchen und Kuchen bei Markant und holten dann meinen Bruder ab. Gegen 10 Uhr machten wir uns also, mit meiner Mutter als Fahrerin, auf den Weg nach Kiel.

Bis Bremen verlief die Reise ereignislos und wir hatten keine Verkehrsprobleme, dann jedoch gerieten wir in einen stockenden Verkehr irgendwo auf der Autobahn zwischen Bremen und Hamburg (Und das nicht nur einmal!). Zu diesem Zeitpunkt steuerte allerdings mein Bruder den Wagen. Die beiden hatten schnell an einer Raststätte getauscht, da sie Kopfschmerzen hatte.
Etwas später gerieten wir in einen richtigen Stau! Kai (Bruder) stieg aus dem Auto und schaute nach vorne, wie weit die Schlange ist. Er konnte kein Ende ausmachen und so hieß es erstmal warten… Im Verkehrsfunk haben sie komischerweise auch nichts von einem Stau in diesem Bereich berichtet, was uns sehr wunderte.

Nach einer Weile hörten wir ein Martinshorn und erspähten dann in einiger Entfernung einen Polizeiwagen (Wir hatten einen weiteren bereits kurz zuvor auf der anderen Straßenseite gesehen. Vermutlich war es der selbe.). Wir fuhren natürlich sofort alle an den linken Straßenrand, damit der Wagen durch die Mitte hindurchfahren konnte. Etwas später kamen noch ein Krankenwagen und Notarzt hinterher. Schon nach kurzer Zeit konnten wir langsam weiterfahren, wurden allerdings nach rechts gewunken, weil ein Feuerwehrwagen auf der linken Spur durchwollte.

Da sahen wir auch schon den Grund für den Stau. Ein Geländewagen stand in verkehrter Richtung auf der Fahrbahn, war ziemlich eingedetscht und umgeben von einigen anderen (ebenfalls verunglückten) Autos. Auf der Leitplanke saßen einige junge Leute (sahen unverletzt aus) und auf dem Boden bekam irgendwer eine Infusion. Nach etwa einer halben Minute fahrt sahen wir noch 2 weiter Wagen am Straßenrand stehen (ebenfalls leicht beschädigt). Warscheinlich waren sie in den Unfall mit hineingeraten und haben ihre Autos ein bischen abseits „geparkt“. Das Polizeiauto war auch dort und ein Polizist schien die Verunglückten zu befragen.

Der Rest der Reise verlief zum Glück ebenfalls relativ ereignislos, wir gerieten nur wieder in einen Stau….

In Kiel angekommen suchten wir nach der Uni-Klinik, die wir auch sehr schnell fanden und parkten das Auto. Meine Mutter musste sich noch kurz schminken und dann schnappten wir die Sachen und gingen los.

Die Klinik machte einen sehr ordentlichen Eindruck und laut meinem Vater ist sie auch wirklich sehr gut und neu. Wir öffneten die Tür zu seinem Zimmer und konnten die Freude in seinen Augen förmlich sehen! Der arme Kerl. Es kam erstmal ein kleines Geknuddl und dann wurde eine ganze Zeit geredet. Die Ärzte wissen noch immer nicht was er hat, machen aber viele Tests mit ihm. So bekommt er unter anderem auch Elektroschocks.

Bisher dachte man ja es sei „Morbus Sudeck“, aber dessen ist man sich jetzt nicht mehr sicher. Vielleicht weiß man da nächste Woche näheres…

Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile mit ihm im Wohnzimmer und aßen dabei den Kuchen. Danach gingen wir raus, wobei er diesmal nicht die Krücken, sondern einen Rollstuhl benutze.

Am Wasser angekommen setzten wir uns ans Hafenbecken und redeten weiter… Im Wasser konnte man einen Schwarm Quallen ausmachen. Faszinierende Tiere. Ihr ganzer Körper ist ein einziger Verdauungapparat und ich glaube sie haben nich mal ein Gehirn und somit auch keine Nerven. Im Becken schwammen auch ein paar Schwäne und Möwen, die auf Futtersuche waren. Die Sonne schien.

Wir erfuhren, dass mein Vater in der Schmerzklinik wohl noch die harmlosesten Beschwerden hat. Sein Zimmernachbar (ein ehemaliger Krankenpfleger) hat Krebs. Und zwar so viel, dass er nur noch wenige Wochen zu leben hat. Er bekommt auch 150mL Morphium am Tag, damit er die Schmerzen ertragen kann. Dieses Wochenende war er zu Hause bei seiner Freundin und seinen Kindern und der Arzt gab ihm genug Morphium für die Zeit in der er weg ist mit. Niemand weiß, ob er Montag wiederkommen wird… Wenn die Bauchspeicheldrüse platzt, hat er noch einmal richtig fiese Schmerzen und dann wars das. Soweit wird der es aber nicht kommen lassen. Er erzählte meinem Vater, dass er sich mit dem restlichen Morphium den Goldenen Schuss setzen wird, wenn die Schmerzen kommen.

Dann erzählte er noch von zwei Frauen, die auch Morbus Sudeck haben. Diese haben es allerdings in der Hand. Die eine in der linke, die andere in der rechten Hand. Eine weitere Seniorin hat beim Zahnarzt die letzten Zähne gezogen bekommen und ihre Nerven wurden dabei erheblich verletzt, so dass sie jetzt immer Schmerzen hat. Die Ärzte konnten ihr nich helfen und haben sie wieder nach Hause geschickt.

In ein weiteres Zimmer gehen die Ärzte und Schwestern/ Pfleger nur mit diesen grünen Anzügen, Schutzbrille und Mundschutz rein. Mein Vater meint, dass er es riechen kann, wenn die Tür dort nur einen Moment auf war. Niemand weiß wer da so hinwegetiert. Vielleicht hat dieser Mann offene Wunden oder schlimmeres… Niemand scheint gerne in dieses Zimmer zu gehen.

Im Verlauf des Nachmittags am Wasser erzählte er uns auch noch von den Kellerräumen der Klinik. Ein Pfleger hat ihn dort unten durch die Gänge geschoben und dabei mussten sie durch einen OP-Raum, in dem ein Mann auf dem Operationstisch saß und Ärzte um diesen herumstanden… Da wurde ihm wohl ziemlich mulmig. Noch mulmiger wurde ihm, als er in einen Raum ohne Fenster geschoben wurde, in dem alle möglichen, gefährlich aussehenden, elektronischen Geräte herumstanden. Dort hatte er richtig Angst. Zwei Ärztinnen nahmen ein Buch zur Hand und verbanden die Kabel nach dieser Vorgabe mit ihm. Sie waren sich absolut unsicher und dann meinten sie irgendwann „Ich versteh das nicht, es ist alles richtig angeschlossen, es müsste schon längst was passieren.“. Darauf meint mein Vater nur: „Es kribbelt aber schon!“. Sie hatten den Stecker nicht reingesteckt… Tolle Kiste. Er muss wirklich Angst gehabt haben.

Die Ärztinnen wussten nicht mehr weiter und riefen den Oberarzt. Auch dieser wusste nicht so recht, wie man alles anschließt und auf die Frage meines Vaters ob sie diese Untersuchung öfters machen entgegnete er nur, dass es keine Routineuntersuchung sei und auch nur selten einen Erfolg verzeichnet. Darauf fragte er natürlich warum, sie diese Untersuchung dann überhaupt machen und der Oberarzt meinte, dass sie ja vielleicht genau bei ihm mit dieser Hilfe etwas feststellen könnten. Die Untersuchung wurde dann abgebrochen…

Ein anderes mal war er wieder in diesem Keller und sollte dort von einem Pfleger abgeholt werden, da er nicht alleine rausgefunden hätte. Eine geschlagene halbe Stunde kamen dann 2 Pfleger mit einem riesigen Gerät an und wollten ihn abholen. Draußen stand noch ein Krankenwagen. Nach einem kurzen Dialog stellte sich aber wohl heraus, dass ein Missverständins vorlag, denn eigentlich sollte nur ein Pfleger kommen und einen Rollstuhl mitbringen. Warscheinlich ist dieser Pfleger jetzt mit dem Rollstuhl an einen anderen Ort gefahren und hat dort jemanden gefunden, der einen Krankenwagen brauchte…

Wir gingen weiter am Hafenbecken entlang und schauten uns eine ganze Weile riesige Kreuzfahrtschiffe an und beobachteten sie beim Wenden, was ungefähr so spannend war, wie Schach im Fernsehen. Dies ist eines davon:

Nachdem dieses Schiff verschwunden war gingen wir zurück in die Klinik, wobei es schwer war den Rollstuhl den steilen Hang hochzubekommen. Alleine hätte er es niemals geschafft. Es wurden noch die Sachen umgepackt und Zärtlichkeiten ausgetauscht und dann trennten sich unsere Wege leider am Fahrstuhl…

Nachdem wir das Parkticket eingelöst hatten setzten wir uns ins Auto und machten uns auf den Weg. Diesmal fuhr ich. Vom Fenster aus dem zweiten Stock winkte Papa uns traurig hinterher. Wir taten es ihm gleich :(

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2 Kommentare

  1. Kai said,

    Die wissen nun doch nit ob er das 100% hat?… omg ey -.-
    Krankenhäuser sind krass! Erinnere mich selbst noch drann, als die Ärztin 2x am Tag reinkam und meinte „Ehm… wir haben ihre Blutproben vertauscht, müssen nochmal Blut abnehmen“…

  2. derSich said,

    OMG
    In welchem Krankenhaus war das? Nordenham? Ich hab gehört die Krankenwagenfahrer bringen die Patienten (sofern sie nicht sehr dringend ins Krankenhaus müssen) schon lieber in ein anderes Krankenhaus in der Nähe als nach Nordenham! Da sollte man sich echt mal Gedanken machen…

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