Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Wilhelmshaven

18. Juli 2008 at 7:59 pm (Hauptblog, Veranstaltungen)

Am zwölften Tage des diesjährigen Julis begab es sich, dass die jungen Mägde Kill und Mulle, sowie die edlen Recken Fleix und Nachbar sich per futoristischer Kutsche zum Spectaculum im entfernten Wilhelmshaven aufmachten. Ihre Reise begann dort, wo der Siel am kleinsten ist. Die Kutsche war eine Leihgabe von Kills Vater und Nachbar steuerte sie. Mit Hilfe einer selbst gezeichneten Karte orrientierte sich unser Kutscher und bog zwei oder drei Straßen zu früh ab. Die Gefährten landeten daraufhin in einer elenden Einöde und bis auf Nachbar waren sich alle sicher, dass sie sich verfahren hatten. Nachbar aber beharrte darauf, dass der nun eingeschlagene Weg nur ein etwas längerer sei, aber genauso zum Ziel führen würde. Er suchte von nun an stetig nach einem Schild mit der Aufschrift „Fedderwardergroden“. Nach einer kleinen Weile fand er dieses auch und die Gruppe konnte sich endlich wieder sicher glauben.

Als die vier endlich die richtige Straße fanden stellte Nachbar fest, dass er hier schon einmal gewesen war. Eine Zweigstelle seiner Arbeitsstelle befand sich hier am Wasser. Demnach konnte er sich gut orientieren und sie kamen bald an ihrem Ziel an. Die Schilder mit der Aufschrift „Parken“ (welche nach vorne wiesen) nach Befehl von Kill missachtend, hielt er die Kutsche am rechten Straßenrand an und alle stiegen ab. Anschließend folgte ein recht langer Fußmarsch, bei dem unseren Probanten immer wieder die seltsamen Schilder mit der Aufschrift „Parken“ aufflielen. Irgendwann kurz vor einem Deich stand das letzte dieser Schilder. Bis hierhin hatte man gute zehn Minuten zu Fuß zurückgelegt. Möglicherweise waren es aber auch fünfzehn Minuten.

Auf dem Weg trafen sie sogleich die ersten Besucher des Spectaculums, welche durch ihre prächtigen Gewandungen auffielen. Der Adel schien heute auch zu Gast zu sein. Fünf der Taler betrug der Eintrittspreis. Alle befanden, dass dies ein fairer Preis war. Das erste was auf dem in die Länge gezogenen Gelände auffiel war allerdings ein recht lautes Geräusch, welches von einer seltsamen Maschine erzeugt wurde. Sie schien direkt mit den Stallungen verbunden zu sein – wirklich ein seltsames Gerät. Dies sollte aber nicht das einzig seltsame sein. Bereits ein paar Schritte weiter machte Nachbar ein altes Korbball-Spielfeld aus. Er traute seinen Augen nicht…

Nachdem dieses Bild wieder aus den Köpfen der vier verschwunden war, teilten sie sich auf. Während die Mägde erst einmal den Markt auf eigene Faust zu erkunden gedachten, knurrte den Recken der Magen. Es musste etwas essbares gefunden werden! Sehr gelegen kam ihnen ein kleiner Stand, der Fleischwaren darbot. Fleix wählte hier einen Räuberspieß, während Nachbar sich für eine Lammbratwurst entschied. Dazu gab es ein aufgeweichtes, pappiges Brötchen, was dem Geschmack jedoch nichts abtat. Das Fleisch war gar prächtig gewürzt!

Durch diese Köstlichkeit gestärkt machten sie sich auf den Weg, die Mägde wiederzufinden. Dabei beäugten sie auch den einen oder anderen Stand. Die vier trafen aber, ob der Größte des Marktes, sehr schnell wieder aufeinander, so dass die Erkundung gemeinsam fortgesetzt werden konnte.

Nach einer ganzen Weile des Stöberns, kauften sich die Mägde schließlich neue Kleider, während Fleix und Nachbar das Gesöff mit dem klanhaften Namen „Bapho Met“ kosteten. Es handelte sich um einen Holunderwein. Die beiden sprachen ihr Lob aus und bedankten sich bei dem Händler für die Kostprobe. An einem anderen Stand stellten die vier fest, dass so ein Kettenhemd alleine schon sehr schwer ist. „Und nun stelle man sich vor, dass der Ritter von damals, über diesem Hemd noch eine wesentlich schwerere Rüstung, sowie Helm und Waffe trug.“, meinte einer. Fürwahr er hatte recht. Fleix und Nachbar wären mit ihrer Statur wohl niemals zum Ritter geworden. Gut, dass die Zeiten in denen dieses Land Krieg führte vorbei sind, dachten sich alle.

Die benachbarte Händlerin hatte Süßigkeiten anzubieten. Dies schien das Paradies für die Mägde gewesen zu sein, denn es gab auch hier Kostproben. Die angebotenen Waren trugen alle so klangvolle Namen wie „Trollzähne“ oder „Fledermausblut“. Die Gefährten kauften für einige der Taler eine kleine Menge dieser Köstlichkeiten und machten sich auf, um die zweite große Mahlzeit einzunehmen. Dieses mal aßen auch die Mägde mit und bis auch Nachbar bestellten sich alle eine „Falaffeltasche“. Nachbar entschied sich für eine Reis-Gemüsepfanne und bereute dies nich. Es schien gar köstlich gewesen zu sein!

Während die vier dort saßen und aßen, lauschten sie dem gerade aufgeführten Bühnenprogramm und beoachteten das gemeine Volk, welches sich hier herumtrieb. Es waren einige Gaukler darunter, so dass man sich vorsehen musste. Ein Mann wurde in Ketten gelegt und von seiner Frau ausgepeitscht. Hier herrschten also nicht nur Fröhlichkeit und Handelsbetrieb, sondern auch etwas rauhere Sitten… Die Magd Kill bekleckerte sich und fluchte immerzu, bis es ihr zu bunt wurde und sie ihr Mahl in die Büsche beförderte.

Nachdem alle aufgegessen hatten, machten sie sich wieder auf den Weg den Markt zu erkunden.

Dabei nahmen sie die Spielleute der Gruppen Rapalje und Rayneke wahr und Fleix und Nachbar lauschten einige Zeit deren Melodein und Gesängen.

Die Mägde machten sich währenddessen auf die Suche nach der alten Hexe, welche Glöckchen verkaufte. Mulle wollte ein Armband von diesen als Geschenk für ihre Schwester mitbringen.

Irgendwann begab es sich, dass ein paar bewaffnete Männer gegeneinander antraten. Fleix und Nachbar beobachteten auch dieses Spektakel. Es handelte sich aber um einen Schaukampf, so dass niemand ernsthaft verletzt wurde. Dies wurde daraus ersichtlich, dass sich alle Kämpfer im Anschluss noch einmal nebeneinander aufreihten und sich feiern ließen.

Auch mit Fackeln wurde gekämpft.

Bis auf Nachbar hatten mittlerweile alle das passende Mitbringsel gefunden. Er machte sich also zusammen mit Kill auf, um auch eines zu finden. Ihm schwebte schon den ganzen Tag etwas ganz besonderes vor, das er daheim in keinem Laden finden würde. Der Methornstand war sein Ziel und dort ließ er für Horn, Halterung und Ständer eine riesen Menge Taler über den Tisch wandern. Stolz nahm er sogleich sein altes, kleineres Horn vom Gürtel ab und befestigte dort sein neues, 0,8L fassendes Trinkhorn welches sich, wie für ihn gemacht, um sein Bein schlung. Damit war es aber noch nicht genug. Die diversen Metschenken machten Lust auf mehr und so begab er sich etwas später (diesmal zusammen mit Mulle) zum Metstand. Ein großes, 1,5L fassendes Gefäß hatte es ihm sogleich angetan und er beschloss dieses zu kaufen. Es handelte sich dabei um Koboldfeuer. Mulle nahm die Flasche an sich und so entstand der Irrtum, dass sie diese kaufen wolle. Dieses jedoch machte nichts, denn ob ihrer Gewandung bekam sie das Gesöff für siebzehn, statt der ausgewiesenen neunzehn Taler. Natürlich zahlte Nachbar trotzdem und nahm das Gefäß auch gleich danach wieder an sich.

Auf dem Heimweg fielen noch ein paar Kuriositäten auf. So wurden an einem Stand Hanffladen angeboten, während es an einer Schenke Hanf Bier zu trinken gab. Ob seiner Tätigkeit als Kutscher, durfte Nachbar aber nichts davon kosten.

Die vier verließen also wieder das Gelände und traten den zehn-, bzw. fünfzehnminütigen Rückweg an. Mit der Kutsche ging es nun, da der Weg bekannt war, deutlich schneller nach Hause. Im Örtchen Varel allerdings geschah das unfassbare! Ein verrückter Narr mit Hut und Kelle stand auf einmal mitten auf der Straße und wollte Nachbar nicht passieren lassen. Nachbar musste also die Kutsche anhalten. Der Narr wies ihn daraufhin nach rechts ein und befahl die Kutsche dort abzustellen und herabzusteigen. Unser Kutscher hatte keine andere Wahl und folgte dem Verrückten. Wer weiß was er sonst noch getan hätte.

Schnell stellte sich heraus, dass der Narr nicht alleine gekommen war. Ein weiterer hielt die Zügel einer Kutsche, die ein wenig abseits am Straßenrand geparkt war. Er wies Nachbar an, auf die Kutsche zu steigen. Dort wurden seine Personalien vom ersten Narr aufgenommen. Er sei in einer Geschwindigkeitskontrolle geraten hieß es. Bei einer erlaubten Geschwindigkeit von 50 km/h trieb er die Kutsche auf eine Geschwindigkeit von 69 km/h! Abzüglich einer Tolleranz von 3 km/h machte das eine stolze Geschwindigkeitsüberschreitung von 16 km/h. Nachbar blieb ganz ruhig und gelassen, ließ nur kurz ein „Scheiße!“ von sich hören und entledigte sich fünfunddreißig seiner wohlverdienten Taler.

Später beschwerte er sich scherzhaft bei seinen Mitfahrern, dass ihn das Gedudel, dass sie spielten schläfrig gemacht hätte und er somit die Geschwindigkeit mal kurz vergessen hatte. Den Rest der Fahrt über zügelte Nachbar aber die Kutsche, so dass alle sicher im Ort des kleinen Siels ankamen. Dort verabschiedeten sich alle und die Magd Kill brachte die Kutsche zurück zu ihrem Vater. Der einstige Kutscher fertige, in seinen vier Wänden angekommen, erst einmal ein Bild seiner Erwerbungen an, auf dass sie für alle Welt festgehalten sein mögen.

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8 Kommentare

  1. künstli.ich said,

    lol. in lügde war letztens iwann auch einer. ham schön met getrunken und ich hab mir n kleinen schwertanhänger gekauft :)

  2. Eydrién said,

    diese textmenge war mir dann doch zuviel :(…hab mir nur dein neues „horn“ bestaunt :D

  3. derSich said,

    Ich muss sagen: Ich bin enttäuscht von dir, Adrian! Du lässt starkt nach! O.O

    @Anna: Gibt es davon ’n Foto? Dann zeig mal :)

  4. Voodooschaaf said,

    Aehh, Schaafbratwuerste, *schuettel*.

    Die armen Seelen, wie konntet ihr nur dieses straefliche Sakrileg begehen?

    Es gruesst das noch vollstaendige Schaaf

  5. derSich said,

    Meine Tat war es nur sie zu verspeisen, nicht aber die Schlachtung selbst! Seyd auch Ihr gegrüßt, Fräulein Voodooschaaf. ^^

  6. Voodooschaaf said,

    So sey die Suende nicht auf eurer Seite zu sehen, der fiese Schlaechter sey verurteilt und fuer den Strange gerichtet.

    Wenns denn lecker war.

    Es gruesst das Schaaf, welches schon das Seil flicht

  7. derSich said,

    Ja, sehr lecker sogar. :)

  8. /Chrissi möchte ein Foto « künstli.ich said,

    […] Unzwar von meiner Schwertkette die ich vor ein paar Monaten auf dem Liuhidi, sprich Mittelaltermarkt in Lügde, erworben habe. Ich wollte schon immer eine haben, also habe ich sie mir dort für rund 15 € gekauft. Bitte sehr Chrissilein. […]

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